70Jahr-Feier Heilig-Geist Bösingfeld – Eine Nachlese

Wie hier bereits berichtet, hat die 70Jahr-Feier der Heilig-Geist Kirche in Bösingfeld einen harmonischen Verlauf genommen. Bei angenehmem Spätsommerwetter konnten auch alle geplanten Aktivitäten im Außenbereich angeboten werden.

Aufgrund der Straßen- und Kanalsanierungsarbeiten in der Rosenstraße hatten unsere mit dem PKW angereisten Gäste die zuvor angegebenen alternativen Parkmöglichkeiten genutzt. Mit etwa 120 Gästen ist das Jubiläum auf sehr gute Resonanz in Nah und Fern gestoßen.

Am Festtag hatten wir mit dem Besuch unseres ehemaligen Seelsorgers Pastor i.R. Wilfried Mikus gerechnet. Mit Pfarrer Winfried Neumann hätte er den Festgottesdienst in Konzelebration mitgefeiert. Kurz vor dem Jubiläum unserer Kirche hatte er jedoch aus gesundheitlichen Gründen seine Teilnahme abgesagt.

So zogen zum Festgottesdienst Pfarrer Winfried Neumann mit den Ministranten Tim und Lucy durch das Portal über den Mittelgang in den Chorraum ein. Danke für euren Dienst, Lucy und Tim. Ohne euch hätte etwas an diesem Festtag gefehlt. Als Ministranten steht ihr stellvertretend für die ganze Gemeinde am Altar.

 

Der Festgottesdienst stand unter dem Leitgedanken:

Danke, Heiliger Geist, für deine Kraft.

 

Unüberhörbar und über viele Monate hinweg ungewohnt war das den Einzug begleitende Orgelvorspiel durch unseren Organisten aus Detmold, Gregor Schwarz. Er hatte sich an diesem Festtag unserer Kirche gern bereit erklärt, in der Zeit der Organisten-Vakanz in Bösingfeld den Festgottesdienst durch Orgelspiel und Kantorengesang mit vollem Engagement zu begleiten. Auch an dieser Stelle: Danke für deinen Dienst, Gregor Schwarz.

Nach der Eröffnung des Gottesdienstes durch Pfarrer Winfried Neumann bat er alle Mitfeiernden, dem Nachbarn in der Bank die geöffnete Hand zu reichen mit dem Wunsch:

Du bist mir willkommen.

Danach entzündete eines unserer ältesten Gemeindemitglieder, Horst Scholz, die Osterkerze. Horst Scholz war einer der ersten Messdiener in der 1952 benedizierten Heilig-Geist Kirche. Danke, Horst Scholz, für deine Bereitschaft, dieses Generationen verbindende und erbauende Zeichen zu setzen.

Mit Blick auf die heutigen Schriftlesungen zeigte unsere Vertreterin im Pastoralrat, Marie-Theres Bockhorst-Thöne, auf, dass sich damals nicht nur die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu Christi auf das Kommen des Heiligen Geistes vorbereitet hatten. In den letzten über 70 Jahren hat sich auch unsere Gemeinde immer wieder in der Heilig-Geist Kirche versammelt und um sein Wirken gebetet.

So ist der damalige Kirchneubau 1951/52 durch umfangreichen ehrenamtlichen Einsatz möglich geworden. Auch nach zuvor mehrfach gescheitertem Anlauf, ein "Jugendheim" (Gemeindehaus) zu bauen, ist es 1983/84 durch ehrenamtlichen Einsatz in nicht unerheblichem Maße gelungen, das Gemeindehaus St. Josef am
25. Februar 1984 schuldenfrei einweihen zu können.

Die erste Glocke unserer Kirche wurde 1522 für das Zisterzienser-Kloster Grüssau gegossen. Sie läutete bis 1942 in St. Laurentius in Neuen, bis die drei Bronzeglocken 1942 als „Glockenspende“ an die damaligen Machthaber für Rüstungszwecke abgegeben werden mussten. Viele unserer damaligen Gemeindemitglieder stammen aus Neuen.

Pfarrer Kleppka, ehemaliger Pfarrer in Neuen, konnte später die kleinste nahezu unbeschädigte Glocke auf dem Glockenfriedhof in Hamburg ausfindig machen und nach Heilig-Geist Bösingfeld überführen lassen. Diese Glocke ist in diesem Jahr 500 Jahre alt geworden.

Weiter denken wir an den Weltjugendtag 2005 in Köln. Im Vorfeld hatten es unsere Kolpingsfamilie zusammen mit unserer Kirchengemeinde ermöglicht, dass etwa 50 Jugendliche und deren Begleiter aus Litauen am Weltjugendtag teilnehmen konnten - Bustransfer und Teilnahmeticket inklusive. 21 Familien in unserer Gemeinde hatten die fröhlichen Menschen als Gast zuhause aufgenommen. So sind ungeahnte Impulse in unsere Gemeinde gekommen.

Oder denken wir an den spontanen Videogruß zu Weihnachten 2020 oder an die Aufzeichnungen der Ostermesse sowie der Heiligen Messe zu Christi Himmelfahrt 2021. Hier hat sich in der Corona-Zeit nicht einmal eine Hand voll Gemeindemitglieder engagiert eingebracht und der Kirchengemeinde ein Zeichen gegeben:

Wir sind noch da – die katholische Kirche im Extertal lebt (noch).

So hat auf verschiedenste Weise der Heilige Geist Menschen auch in unserer Gemeinde bewegt, etwas "anzupacken". Es gibt sicher noch eine Vielzahl von Beispielen, die die Wirkung des Heiligen Geistes erkennen und erfahrbar werden lassen.

Evamaria Gerber, ebenfalls unsere Vertreterin im Pastoralrat, hat das in Feuerzungen überlieferte Herabkommen des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu aufgegriffen: Sieben Kinder legten sieben Feuerzungen um die Osterkerze.

Bei den Fürbitten nahmen Lucy K., Lucy S., Paulina, Rafael und Tim sowie Uschi Kuhfuß und Matthias Wolff ihre Feuerzungen und stellten sich um den Altar. Jede Feuerzunge entsprach einer der sieben Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Diese sieben Gaben wünschen wir uns für unsere Gemeinde.

Zur Wandlung lud Pfarrer Winfried Neumann alle Kinder ein, sich um den Altar zu versammeln.

Vor dem Schlusssegen wurden die Jüngeren von einigen Begleitern in den Außenbereich des St.Josef Hauses geführt. Dort warteten Spiel und Spaß auf sie.

Zum Ende des Gottesdienstes wurde ein Grußwort unseres Weihbischofs Josef Holtkotte verlesen sowie eines unseres Erzbischofs Hans-Josef Becker. Hiernach wurde durch Heiner Garth von unserem Kirchenvorstand in Lemgo ebenfalls ein Grußwort entrichtet.

Im Anschluss daran wandte sich Evamaria Gerber unter dem Leitgedanken

Was bedeutet eigentlich Heimat?

mit berührenden Worten an die Festgemeinde. Dabei erinnerte sie an die Menschen, die 1943 als Westevakuierte oder 1945/46 als Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten, insbesondere aus Schlesien und Ostpreußen, kriegsbedingt ihre alte Heimat verlassen mussten und hier in und um Bösingfeld mit den Jahren eine neue Heimat gefunden haben. Sie waren neben den sieben in Nalhof lebenden Katholiken der Ursprung unserer katholischen Kirchengemeinde – die ersten Katholiken im Extertal. Sie haben dann in dieser Heilig-Geist Kirche eine neue Heimatkirche gefunden.

Zum weiteren Ablauf des Festprogramms wurde ein Überblick über alle Angebote und Möglichkeiten gegeben:

  • Sektempfang für alle Gäste
  • Mittagsimbiss
    • Steak-Brötchen mit mehrerlei Beilagen
    • Heißwurst im Brötchen
    • Gulaschsuppe oder vegetarische Suppe
  • Tolles Kuchenbuffet - auch mit Schlesischem Mohnkuchen
  • Bilderbogen der über 70jährigen Geschichte der Heilig-Geist Kirche auf Großbildleinwand
  • Tombola mit über 100 Gewinnen
  • Sternsinger - Hilfsprojekte und Vielfalt der Sternsinger-Kleidung; Anprobieren möglich
  • Messdiener - Dienst, Gruppenarbeit und Bekleidung; Ausprobieren möglich
  • Basteln für Groß und Klein: KirchenMäuse
  • Luftballon-Weitflug-Wettbewerb mit lukrativen Preisen für die weitesten Flugstrecken
  • Kugelspiele für Jung und Alt
    • VIER gewinnt zu zweit
    • Stapel 5x4 gegen die Uhr
  • Heißer Draht - Geschicklichkeit mit ruhiger Hand
  • Spiele auch für die Kleinen und ganz Kleinen
  • Kirchengemeinde-Baum mit Fingerprint
  • Gästefotos im Goldrahmen und Sternsinger-/Ministranten Fotoshooting
  • Platz und Gelegenheit zum miteinander Sprechen

Vor dem feierlichen Schlusssegen bedankte sich Pfarrer Neumann bei unserer Küsterin Claudia Kalin, bei den Lektoren und Messdienern und bei allen, die in irgend einer Weise Verantwortung übernommen und sich für unsere Gemeinde eingebracht haben, die Voraussetzungen für ein gelingendes Fest zu schaffen.

An dieser Stelle danken wir Pfarrer Neumann für sein persönliches Engagement im Gottesdienst, aber auch für seine tätige Mitarbeit in der Vorbereitungs- und Planungsgruppe.

Danach lud Kirchenmusiker Gregor Schwarz Interessierte ein, sich von ihm oben auf der Orgelbühne Wissenswertes zu unserer Pfeifenorgel vermitteln zu lassen. Etwa drei Handvoll unserer Gäste ließen sich diese Gelegenheit nicht entgehen.

Wir bedanken uns auch ganz herzlich für die Grußbotschaften aus den drei evangelisch-reformierten Kirchengemeinden im Extertal in Bösingfeld (Pfarrer Peter Thimm), Almena (Pfarrer Jörn Schendel) und Silixen (Kirchenvorstands-Vorsitzender Rolf Sandmann). Es ist ein Zeichen guten ökumenischen Miteinanders, dass wir zum Festtag auch Gäste unserer Geschwisterkirche begrüßen durften.

In den frühen Anfängen unserer katholischen Kirchengemeinde beginnend etwa 1943 hatten die damaligen Pfarrer der ev.-ref. Kirchengemeinden Herzen, Tür und Tor geöffnet für die Not der über das ganze Extertal verstreuten katholischen Westevakuierten oder ab 1945/46 Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten. Es waren immerhin bis zu 1.500 Katholiken ins Extertal gekommen. Die ev.-ref. Pfarrer hatten ihre Kirchen in Bösingfeld, Alverdissen, Almena und Silixen geöffnet für die Feier katholischer (Sonntags)Gottesdienste oder hatten andere Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Erst seit 1952 konnten in der neuen katholischen Heilig-Geist Kirche Gottesdienste gefeiert werden.

Zum guten Gelingen des Festtages hat sicher auch der excellente Mittagsimbiss beigetragen. Hinter dem Tresen wurden von den Grill-Meistern Florian Gerber und Matthias Kehmeier verschiedene Steaks am holzgeheizten Rundgrill in Extertaler-Strohschwein Qualität zubereitet sowie von Detlev Schmidtpeter Heißwurst im Brötchen sowie würzige Gulaschsuppe und schmackhafte vegane Suppe angeboten.

Das reichhaltige Kaffee- und Kuchenbuffet erfüllte alle Wünsche unserer Festgäste. Speziell, aber nicht nur für Gäste mit schlesischen Wurzeln war eine Platte Mohnkuchen gebacken worden. Danke hier an das Service-Team.

Der von Matthias Wolff organisierte Luftballon-Weitflug-Wettbewerb konnte manchen Gast animieren, mit dabei zu sein und die Chance auf einen der Hauptpreise zu wahren. Die Helium-gefüllten Ballons sind aus zertifiziertem umweltverträglichem Material hergestellt. Wie das Kartenhalteband zersetzen sie sich ohne weiteres Dazutun von Menschenhand.

Die übrig gebliebenen nicht verkauften Ballons wurden zum Schluss unter großer Begeisterung unserer jüngeren Gäste im Pulk in die Höhe gelassen und auf ihre Reise geschickt. Erste über QR-Code übermittelte "Landemeldungen" sind etwa 80 km weit vom Startpunkt entfernt abgesandt worden

Die Tombola war reichhaltig mit Gewinnen ausgestattet: Über 100 wertige Preise warteten auf glückliche Gewinner. Ein herzliches Dankeschön an alle, die Tombolapreise zur Verfügung gestellt hatten, seien es Spender aus der lokalen Geschäftswelt oder private Spender. Alle Lose wurden verkauft.

Der Hauptpreis, eine Ausflugsfahrt für zwei Personen nach Porta Westfalica zum renovierten Kaiser-Wilhelm-Denkmal mit Kaffee und Kuchen und - auf Wunsch - noch Eis mit Sahne.

Glückliche Gewinnerin ist Jennifer. Sie hatte sich spontan entschlossen, ihren Vater mitzunehmen. Bei passendem Wetter geht es los.

Auf dem Kirchengemeinde-Baum konnten Gäste einen Fingerabdruck an einen Ast oder Zweig im Baum hängen als Zeichen, Teil der Gemeinde zu sein.

Im weiteren Verlauf des Festtages konnte bei vielen Gelegenheiten festgestellt werden, dass Menschen miteinander gesprochen haben und dass hier und dort gemeinsam Erlebtes aus unserer Kirchen-Geschichte ausgetauscht wurde.

Der auf der Großbildleinwand im unteren Geschoss des St. Josef Hauses in Endlosschleife präsentierte über 1078seitige Bilderbogen der Geschichte der Heilig-Geist Kirche wurde von vielen Gästen zeitweise verfolgt. Dieser Bilderbogen ist auf CD-ROM erhältlich. Dies gilt auch für einzelne Bilder und Dokumente hieraus.

Dieser Bilderbogen ist von Gerhard Wolff erstellt worden. Er wird, beginnend im Oktober, im Gemeindehaus St. Joseph einen regelmäßigen Treff anbieten. Dort können sich Interessierte austauschen, Hintergründe vertiefen oder neue "Mosaiksteine" mit hinzufügen. Alle sind hierzu herzlich eingeladen, auch Interessenten aus unserer Nachbargemeinde Barntrup.

Auf der zur Leinwand gegenüber liegenden Wand war ein kleines Fotostudio aufgebaut. Vor einem dunkelblauen Hintergrund konnten sich unsere Gäste allein oder zu zweit durch einen kunstvollen Goldbilderrahmen fotografieren lassen. Einige hatten Freude daran. Daneben war vor hellblauem bis auf den Boden reichenden Hintergrund eine Möglichkeit zur Aufnahme von Sternsinger- und Messdienerbildern vorbereitet. Mangels immer vor Ort anwesendem Fotografen hatten nur wenige die Gelegenheit für nicht alltägliche Bilder genutzt.

Das Basteln von KirchenMäusen war für Klein und Groß eine neue Erfahrung. Zum Schluss haben etwa 20 Mäuse das Licht der Welt erblickt. Angelika Wolff hatte diese Aktivität eingebracht und so den KirchenMäuse-Bastlern eine Freude bereitet.

Eine Besonderheit am Rande hat zum Schmunzeln angeregt oder nachdenklich gemacht: Kinder im angrenzenden Nachbargarten hatten das bunte Treiben auf der Gemeindehauswiese beobachtet und dann ganz spontan gefragt: "Dürfen wir auch rüberkommen?" Natürlich durften sie.

Mit Wissen und Duldung ihrer Eltern sind dann drei Jungen und drei Mädchen behände über den Maschendrahtzaun geklettert und haben mitgemacht: die Mädchen zunächst beim KirchenMäuse Basteln, die Jungen bei den wunderbar bunten Kugelspielen.

Die beiden Kugelspiele mit Outdoor-fähigen 12 cm starken verschiedenfarbigen Kugeln erforderten sowohl im Zweierspiel VIER gewinnt als auch im Spiel Stapel 5x4 gegen die Uhr vorausschauendes Denken und Kombinationsgabe. Kleine Preise belohnten die Spieler. Auf Nachfrage können beide Spiele beim Hersteller Gerhard Wolff ausgeliehen werden.

Auch der Heiße Draht wurde von Groß und Klein genutzt, um zu prüfen, wie ruhig die eigenen Hände sind.

Im oberen Versammlungsraum hatte Radio horeb einen Informationsstand aufgebaut. Dort konnten sich unsere Gäste von Christian Suchy über das Programm des christlichen Radiosenders Einzelheiten und Hintergründe vermitteln lassen.

Am späteren Nachmittag lichteten sich dann langsam die Reihen. Zum Schluss hieß es für die noch übrig gebliebenen Helfer, soweit möglich Aufbauten zurückzubauen, aufzuräumen und Klar-Schiff zu machen.

An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an alle, die sich in den verschiedensten Diensten "hinter oder vor den Kulissen", beim Auf- und Abbauen, beim Aufräumen oder auf andere Weise gern eingebracht haben.

Ein großes Dankeschön gilt auch dem fünfköpfigen Team der Planungs- und Vorbereitungsgruppe unseres Kirchenjubiläums: Pfarrer Winfried Neumann, Evamaria Gerber, Susanne Schmidtpeter sowie Gerhard und Matthias Wolff. In zig-Stunden wurde der Grundstein für den scheinbar selbstverständlich leichtfüßigen Ablauf unseres Jubiläums gelegt.

Zuletzt danken wir allen Gästen, die gekommen sind, den Festgottesdienst gemeinsam zu feiern und mittags sowie am Nachmittag gern mit dabei zu sein und so Gemeinschaft zu erleben.

Rückblickend ist festzuhalten, dass ein kleines Quantum mehr an Helfern zur Unterstützung der Aktivitäten vor Ort sehr förderlich gewesen wäre. Jeweils ein, zwei Stunden Engagement für das gemeinsame Fest wären eine Bereicherung für alle geworden.

 

So schließt der Tag mit dem Gedanken, mit dem der Festgottesdienst eröffnet wurde:

Danke, Heiliger Geist, für deine Kraft.