die Botschaft der Füße

Den Gedanken von der Kraft des Wandels hat das Misereor-Hungertuch durch die Fastenzeit vielen Menschen vor Augen geführt. Uschi Kuhfuß hat in Lemgo und Hohenhausen ein ganz besonderes „Fuß-Hungertuch“ entstehen lassen:

Während der Fastenzeit hing in der kath. Kirche St. Marien Hohenhausen, wie auch in vielen anderen Kirchen, das Misereor-Hungertuch von Lilian Moreno Sanchez mit dem Titel: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum - Die Kraft des Wandels“.

Auf Bettwäsche aus Kloster und Krankenhaus sehen wir das gestaltete Röntgenbild eines gebrochenen Fußes eines Demonstranten in Santiago de Chile, der durch die Staatsmacht schwer verletzt wurde. Außerdem sind  graue Flecken vom Staub des „Platz der Würde“ eingerieben. Viele Menschen hatten an diesem Ort seit Oktober 2019 gegen ungerechte Verhältnisse protestiert. Goldene Blüten und Nähte sind auf dem Bild verteilt, weisen bei all dem Leid auf Hoffnung und Liebe hin.

Das Hungertuch hat mich inspiriert, ein eigenes Tuch zu gestalten, oder besser gesagt; gestalten zu lassen - von den Menschen, die hier leben.

In der Heilig-Geist Kirche Lemgo, in St. Marien Hohenhausen und im Seniorenheim „Mittendrin im Kalletal"  lagen deshalb zeitweise, miteinander verbunden, ein weißes Bettlaken, das einer schwerkranken Frau gehörte und ein weißes Tischtuch um welches schon oft Menschen saßen, miteinander gegessen und getrunken, gelacht oder auch geweint haben. 

Meine Bitte an die Menschen hier war:

Stellen Sie sich auf die weißen Tücher, bleiben Sie dort eine Weile stehen, spüren Sie nach, was Sie im Moment umtreibt, auf Ihrer Seele lastet oder auch gut in den Tag gehen lässt. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“- Wie geht es Ihnen, wenn Sie diesen Vers aus Psalm 31 hören? Was verbinden Sie damit? Welche Gedanken kommen Ihnen? – Zeichnen Sie Ihre Füße auf dem Tuch nach und schreiben Sie Ihre Gedanken dazu.

Viele haben mitgemacht und ihre Füße und Gedanken auf dem Tuch hinterlassen.
Häufig wurde dafür die Farbe Grün gewählt. Grün - die Farbe der Hoffnung!?
Und auch die geschriebenen Worte sind hauptsächlich positive Impulse. „Freude“, „Sende mich“, „Liebe“, „miteinander verbunden“, „weitergehen“ und vieles mehr lese ich dort. Das hat mich verwundert; haben wir doch in der momentanen Situation auch manchen Grund zu klagen, traurig zu sein.

Doch vielleicht ist das die „Kraft des Wandels“. – Dass wir nicht nur über unsere eigene Situation lamentieren, sondern nach vorn schauen, positiv denken und auf die sehen, denen es wirklich schlecht geht.

Das haben wir ja in den vergangenen Monaten immer wieder neu erleben dürfen, wie hilfsbereit und zugewandt viele ihren Nachbarn, Kollegen oder auch völlig Fremden gegenüber waren. Da gab es von der Einkaufshilfe bis zur Unterstützung beim Telefonieren für einen Impftermin so manches, was anderen Menschen das Leben erleichtert hat.  Und vermutlich beide froh gemacht hat!

Ich hoffe, dass diese Haltung immer mehr alle unsere Lebensbereiche durchdringt und wir uns für das gute Leben aller Menschen einsetzen. Hier und anderswo auf dieser Erde. Damit die „Kraft des Wandels“  spürbar und erlebbar wird.

Ursula Kuhfuß – Gemeindereferentin -