Glocke in Heilig-Geist 500 Jahre alt

Zum 70jährigen Jubiläum der Heilig-Geist Kirche in Extertal-Bösingfeld wurde ein bunter Bilderbogen mit 1078 Seiten über die vergangenen gut 70 Jahre erstellt und am Festtag in einer Endlos-Schleife auf einer Großbildleinwand präsentiert.

Zum Abschluss der Redaktionsarbeiten am 1. September fiel Angelika Wolff, der Frau des Erstellers des Bilderbogens, plötzlich auf, dass die älteste Glocke im Turm auch ein Jubiläum feiert: 500 Jahre.
Niemandem ist es bis dahin wirklich aufgefallen...

1522 wurde diese Glocke gegossen, und heute schreiben wir das Jahre 2022. Das sind 500 Jahre.

Die Glocke - Schlagton "D" - trägt die Signatur
SIT NOMEN DOMINI BENEDICTUM USQUE IN SAECULUM
Der Name des Herrn sei gepriesen in Ewigkeit.

 

Schauen wir zurück.
Im Rahmen der Restaurierung der Stiftskirche des Zisterzienserklosters Grüssau in Schlesien durch Abt Franciscus Büthner wurde 1521 am Haupteingang eine Kapelle angebaut. Ein Jahr später, 1522, wurde für diese Kapelle eine Glocke gegossen und in den Kapellenturm eingebracht.

Die Kapelle wird in der Literatur erstmals erwähnt als "Wallfahrtskirchel, welches man St. Anna nennt."
So ist überliefert, dass die Glocke auch der Heiligen Anna, der Mutter Marias und damit auch der Großmutter Jesu Christi, gewidmet ist.

Wann diese Glocke in die Kirche St. Laurentius im Nachbardorf Neuen überführt wurde, ist nicht bekannt.

1942 wurden im Rahmen der von den damaligen Machthabern verpflichtenden Aufforderung zur "Glockenspende" alle drei Bronzeglocken aus dem Turm geholt. Es sollte Rüstungsmaterial daraus hergestellt werden.

Die beiden größeren Geschwisterglocken gingen dabei zu Bruch. Nur die kleinste Glocke behielt ihre Form. Später stellte sich heraus, dass lediglich ein Riss geschweißt werden musste.

Der ehemalige Pfarrer Kleppka in St. Lauerntius, Neuen, erfuhr 1951 vom Kirchenbau-Projekt vieler seiner ehemaligen Gemeindemitglieder. Fast alle wurden aus Neuen vertrieben. Sie hatten in den Ortschaften des Extertals und auch im Raum Barntrup eine neue Heimat gefunden.

So war es fast ein Wunder, dass Pfarrer Kleppka diese kleine Glocke auf dem Glockenfriedhof in Hamburg gefunden hatte und die Überführung nach Bösingfeld ermöglichen konnte.

Es musste für viele Teilnehmer des Gottesdienstes zur Benedizierung der Heilig-Geist Kirche
am 22. Mai 1952
ein ganz besonderer Moment gewesen sein, als ihr ehemaliger Küster und Totengräber aus Neuen, Alois Eitrich, erstmals ihre Glocke aus der alten Heimat nun in Heilig-Geist zum Klingen brachte.

Die Glocke wurde mit der Hand geläutet. Seit dem 31. Oktober 1960 übernahm eine elektrische Läuteanlage diesen Dienst.

Die Weihe der Heilig-Geist Kirche Bösingfelld wurde am 21. Juni 1992 vollzogen.

 

 

 

Weiterführende Literatur und Hinweise:
Pater Ambrosius Rose; Kloster Grüssau, 1974
Eginhard Kranz, Bad Neuenahr in "Heimat und Glaube"
Gerhard Wolff; Glocken in Heilig-Geist in Extertal-Bösingfeld, 2008-10, Extertal

Für eine weiteren Austausch steht Gerhard Wolff gern zur Verfügung.